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Editorial

Liebe_r LIBS Besucher_in, Freund_in, Interessierte,

in diesem Jahr ist es so weit: LIBS feiert 20-jähriges Jubiläum – mit Rückblick auf Vergangenes und gleichzeitig vorausblickend in die Zukunft: Welche Themen haben die LIBS-Arbeit geprägt, welche Entwicklungen und Differenzierungen haben stattgefunden und, vor allem, wie wollen wir weitermachen? Nach wie vor existieren Stimmen, die die Arbeit mit lesbischen und bisexuellen Mädchen, Frauen und Transgender überflüssig finden, die lesbische Themen für längst „abgearbeitet“ halten. Unsere Praxis bestätigt das Gegenteil. Diskriminierung findet oft auf subtile Weise statt, Homophobie bzw. Homonegativität gehört häufig noch zur gesellschaftlichen Realität.

Darüber hinaus gilt die Frage auch den spezifischen Orten und Räumen, die lesbischen, bisexuellen Mädchen, Frauen und Transgender zur Verfügung stehen. Frankfurt wies in den 1990er Jahren noch Frauen-/Lesbenbars auf; es gab einen Frauenbuchladen, Frauen-/Lesbenparties ohne kommerzielle Ausrichtung und eine rege Teilnahme von Lesben am CSD. Wo sind die Lesben heute? Wie sind diese auch räumlichen Veränderungen zu bewerten?

In unserer speziell zum Jubiläum geplanten Broschüre reflektieren wir verschiedene Themen „durch die Zeit“ und berichten über LIBS-Arbeitsschwerpunkte der letzten Jahre und heute. Und wir fragen: Wie sichtbar sind lesbische und bisexuelle Mädchen, Frauen und Transgender heute? Trotz scheinbarer Sichtbarkeit in den Unterhaltungsmedien, trotz immer wieder zitierter Liberalisierung kommen lesbische Mädchen und Frauen sowie Transgender selten in der Öffentlichkeit, in den Medien, in der „Normalität“ vor. Outing und out sein ist immer noch ein großes Thema, das teilweise sogar problematischer als früher erscheint, wenn es um Arbeitszusammenhänge geht, die in den letzten Jahren von zunehmendem Druck oder Angst vor Arbeitsplatzverlust geprägt sind.

Auch anlässlich unserer Jubiläumsfeier gehen wir der Frage nach Sichtbarkeit nach – und machen vor allem auch uns selbst sichtbar, indem wir uns, unsere Schwerpunkte, Erfahrungen und Perspektiven zeigen und zur Diskussion stellen. Dies natürlich auch, um deutlich zu machen: die Arbeit für und mit lesbischen, bisexuellen Mädchen, Frauen und Transgender ist mindestens so wichtig wie eh und je. Es fehlt immer noch – und teilweise wieder – an eigenen Räumen und Angeboten, die nichtheteronormative Wünsche, Träume und Potenziale zulassen und fördern, die Menschen jenseits dieser Normen unterstützen, „empowern“ (=stärken), weil letztlich alle von Vielfalt und Differenz profitieren. Auf ein lustvolles 20. Lebensjahr!